Grün​-​Orange

by Holger Hansen

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about

Die Low-Fi Produktion des Musenhain.
Variabel zwischen Musik und purem Wort. Gebete mit und
ohne Hoffnungsschimmer.
Für und gegen Liebe und sonstigen Terror.

Liner Notes:
Drei Jahre nachdem Holger Hansen die Band Permanent Confusion verlassen hat, meldet er sich mit einem Bündel aus acht Stücken Musik zurück. Aus loser Sessionarbeit und der Kanalisierung des Textflusses, der Hansen in den Monaten
vor Fertigstellung dieser LP mitriss, wurde ein Monolith geschaffen, der keine Vergleiche zu scheuen hat, denn diese existieren nur in groben Umrissen.

Wer sich diesem Strudel aussetzt, der wird sehr schnell gewahr werden, daß der Künstler in diesem Falle keine Schutzmaßnahmen zugunsten der Hörerschaft ergriff. Die Arbeitsmethodik orientierte sich ohne Wenn und Aber am "first thought, first action". Dadurch wurde das Regelwerk der konventionellen Popkultur derart verletzt, daß sich zufällige Hörer bereits durch die Klangverpackung völlig abgestossen fühlen und sich nicht dazu angehalten sehen, die Oberfläche zu durchstoßen und in das Innere dieses "Herzens der Finsternis" vorzudringen.

Holger Hansen selbst empfand große Sympathie für die offene Kritik einer Hörerin: "Unerträglich!". "Ja", sagt er auf Nachfrage, "ein Großteil dieser Arbeit ist kaum zu ertragen." Bereits der Einsteiger, das verwüstet, zerklüftete "leaving the 20th century", eine Reminiszenz an Dada-, Lettr- und Situationismus, zerreißt jede Hoffnung, daß "Grün-Orange" auch nur annähernd gnädig am Hörer vorbeigleite.
Der dichte Teppich, auf dem der in diesem Falle zitierende Hansen turnt, erhebt sich in höchst lästerliche und frevelnde Höhen, läßt den zitternden Hörer in der Einsamkeit der eigenen Meinungsbildung zurück. Hierauf folgen sieben persönliche Seelenschauen in eigenen Worten. Dabei gibt es sogar romantische Melancholie in "Dunkel/Licht" und gar leicht erotische Poesie im Tangorhythmus ("Wunsch"). In diesen beiden kurzen Stücken wird jedoch bereits das Nicht-Gelingen alles Erhofften angelegt und spürbar vertont, so daß der Schock der nun folgenden musikalischen Eiszeit ("Zentralsex", "Vanessa", "unten") den aufmerksamen Hörer
kaum ereilen wird. Hier wird die letzte Würde des Menschen verhandelt, der Weg bis an das Menschenmögliche gegangen. Mögen de Sade und Passolini noch einen Schritt weitergedacht haben, so ist der konzeptionelle Hansen eher Albert Camus verpflichtet und entscheidet sich in dieser Phase von "Grün-Orange" für den vertonten Suizid, um das eigene Morden einzustellen. Der Schmerz wird physisch spürbar, je weiter diese drei Stücke ihre Kreise ziehen. Eingeschaltet zwischen "Vanessa" und "unten" jedoch erhebt sich der romantisierende, musikalische Klamauk von "Komm zu mir im Leben", der dennoch ein eindeutiges Bekenntnis gegen jede Selbstverletzung darstellt, dabei sehnsüchtig auf ein DU ausgerichtet. Einen ähnlichen Tenor findet sich im Abschlußstück "neu". Erinnert dieses Stück entfernt durch Klang und Stellung an Nick Drakes "from the morning", so wird doch die Todessehnsucht durch Liebe und Hoffnung ersetzt.

Zuvor jedoch muß der Hörer das tiefe und lange Tal von "unten" durchschreiten. Wo findet sich in der neueren Musik eine derart intensive Meditation über Worte, Standpunkte und die innere Zerissenheit des Selbst in der Welt. Wen die Sprache
dieses Stücks nicht bereits verwundet, den wird das hintergründig-geisselnde Klangpanorama in einsamer Stunde zu heißen Tränen treiben. Hier werden keine Gefangenen genommen.

"Grün-Orange" ist nicht mehr, nicht weniger als Holger Hansens "songs of love and hate".

Eine Platte, die auch der Künstler selbst erst einmal überleben mußte.

credits

released December 15, 2002

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